Rothenburger Goldmünzenfund

von Dr. Helmut Möhring, Leiter des Reichsstadtmuseum Rothenburg ob der Tauber

goldmuenzenfundkanne_184Im Februar 1998 stießen ehrenamtliche Mitglieder des Landesamts für Denkmalpflege im Haus Grüner Markt 2 bei Ausgrabungen auf das Keramikgefäß, das etwa 15 cm tief im Boden eines Kellers vergraben war.

Auf dessen Grund waren Reste eines völlig korrodierten Metallgefäßes dazwischen befanden sich die 82 Goldmünzen verschiedener Provenzien frühmittelalterlich bis zum letzten Prägedatum 1673; Keramikgefäß mit Deckel.

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Da Rothenburg bis auf wenige Jahre seiner Geschichte kein Münzregal hatte, ist es nur natürlich, dass die gefundenen Münzen alle von außen kamen, sogar eine arabische ist darunter. Die häufigste Prägung ist die aus den spanisch besetzten Niederlanden aus der Zeit von 1570 bis ca. 1640, sehr häufig kommen auch Nürnberger und Frankfurter Dukaten vor. Seltener ist schon die Genueser Goldmünze, die Hamburger Zechinen oder die großen Salzburger Doppeldukaten.

Sehr rar und in der Prägequalität sehr hoch ist der Siebenbürger Golddukaten mit dem Bildnis des Protektors Gabriel Bethlen. Ebenfalls von hoher Qualität sind natürlich die aus der Goldschmiedewerkstatt Augsburg stammenden Dukaten und die Pfälzer Dukaten, die die jüngsten Prägedaten aufweisen.

Man hat spekuliert, warum es zu der Vergrabung kam und warum der Schatz nicht wieder gehoben wurde. Die einzig plausible Erklärung bieten die kriegerischen Wirren des 17. Jahrhunderts. Da die letzte Münze von 1673 datiert, ist es denkbar, dass der Hausbesitzer während der Zeit des pfälzischen Erbfolgekriegs (1688 – 1697) den Schatz vergrub. Die Angst, marodierende französische Truppen könnten die Stadt einnehmen und plündern, ist ein denkbares Motiv. Warum die Münzen nicht wieder gehoben wurden, muss allerdings unklar bleiben.

 

 

Reichsstadtmuseum Rothenburg

fuehrerdurchdasrsm_184Führer durch die Sammlungen

aus: Schriften des
Reichsstadtmuseums Rothenburg ob der Tauber
Museumsheft Nr. 4

Reichsstaftmuseum Rothenburg o.d.T. (Hg.)
Helmut Möhring – Sigrid Popp

Reichsstadtmuseum Rothenburg o.d.T.
Führer durch die Sammlungen
Mit Beschreibung ausgewählter Objekte.
Rothenburg ob der Tauber 2000, Seite 151

Kraichgau-Verlag, 69232 Dielheim
Druck: Kraft-Druck, 76275 Ettlingen Oberweier

Mit freundlicher Genehmigung
von Dr. Helmut Möhring,
Leiter des Reichsstadtmuseums Rothenburg ob der Tauber

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Ein echter Münzer-Tipp:
Besuchen Sie das Rothenburger Reichsstadt-Museum.
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