Münzwesen allgemein

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Tontafel mit Keilschrift aus Mesopotamien, ca. 220 v.Chr.

Es ist nicht bekannt, wann zum ersten Mal Geld benutzt wurde. Erste Keilschriften können nachweisen, dass im alten Mesopotamien vor 4000 Jahren mit abgewogenem Silber bezahlt wurde.

In vielen anderen Teilen der Welt galt seitdem Gold und Silber oder eine Mischung aus den beiden Edelmetallen als anerkanntes Zahlungsmittel. Zunächst hackten die Menschen einfach Stücke von größeren Silber- oder Goldbrocken ab und wogen sie. Oder sie legten die kleinen bohnenförmigen Goldstückchen, die sie in den Flüssen fanden, in die Waagschale. Zum Wiegen benutzten sie verschiedene, von allen anerkannte und oft sogar amtlich hergestellte Gewichte. Entscheidend war das Gewicht des Metalls, nicht die Form. Im Wesentlichen basiert die Münzprägung seit 2000 Jahren auf dem gleichen Prinzip.

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Lydien, Stater, Electron - ca. 600 v. Chr.
Lydien, Stater, Electron – ca. 600 v. Chr.

Im 7. Jahrhundert vor Christus haben Kaufleute in Lydien (ungefähr das Gebiet der heutigen Türkei) die erste Münze erfunden. Um sich die mühsame Wiegearbeit zu ersparen, schlugen die Kaufleute eine persönliche Prägung in ihre Metallstücke. Dieser Prägevorgang wird „münzen“ genannt. Erst später übernahm dann der Staat die Aufgabe, die Metallstücke entsprechend ihres Wertes zu prägen. Damit war die Geldmünze erfunden.

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Hammerpräge
Hammerprägung – Bis zum 16. Jahrhundert war dies die gebräuchliche Art der Münzherstellung.

Seit der Antike werden Münzen meist mittels eines Prägeverfahrens hergestellt. Bis ins 16. Jahrhundert war die Hammerprägung gebräuchlich. Man graviert zunächst in einen Unterstempel ein Bildnegativ ein. Dieser Unterstempel, auch Vorderseite oder Avers genannt, wird in einen Amboss oder Holzblock eingelassen. Man legt ein Stück Metall (Gold, Silber, Kupfer oder Legierungen) auf den Unterstempel. Das Metallklümpchen, auch Schrötling genannt, hält man mit einem Festhaltemeißel fest und schlägt es mit einem Hammer in den Unterstempel hinein. In dem Festhaltemeißel ist ebenfalls ein Bild eingraviert. Dieses Bild nennt man die Rückseite oder das Revers einer Münze.

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Tiroler Guldengroschen (Taler) 1486Tiroler Guldengroschen (Taler) 1486

Der 1486 in Tirol „geborene“ Guldengroschen, bald schon Taler genannt, und ähnlich große Münzen ließen sich mit Hammer und Handstempel nur mühsam und oft auch unpräzise schlagen, und auch die neuartigen Prägemedaillen erforderten mehr Kraft, als sie ein Schmied je aufbringen konnte.

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Gedenkmedallie aus Rothenburg aus dem Jahr 1717
Gedenkmedallie aus Rothenburg aus dem Jahr 1717Gedenkmedallie aus Rothenburg aus dem Jahr 1717.

Gedenkmedallie aus Rothenburg aus dem Jahr 1717: – Dr. Helmut Möhring, Leiter des Reichsstadtmuseums Rothenburg ob der Tauber, schreibt uns zu dieser Münze: Die „Münze“ mit dem Abbild Luthers, ist eine Gedenkmedaille zum 2. Lutheranum 1717. Als Gedenkmünze war sie kein Zahlungsmittel!

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SpindelpresseSpindelpresse

Am Beginn der Neuzeit war die althergebrachte, noch aus der Antike stammende manuelle Münzfertigung überholt. Techniker und Erfinder bauten neuartige Prägeapparate, doch durchgesetzt hat sich die Spindelpresse. Noch heute ist sie in modifizierter Form in Prägeanstalten und in der metallverarbeitenden Industrie anzutreffen. Die Spindelpresse, auch Schraube, Balancier, Stoßwerk oder Anwurf genannt, ist ein Kind des 16. Jahrhunderts. Konkurrenten waren das Klippwerk und die Walzenprägung, aus der sich das Taschenwerk entwickelte.

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Spindelpresse aus dem 17. JahrhundertSpindelpresse aus dem 17. Jahrhundert

Vom 17. bis zum 20. Jahrhundert hat sich jedoch in der Technik des Münzenprägens viel getan. Im 17. Jahrhundert war es noch eine wesentliche Neuerung, dass man mittels des Spindelwerks und 2-12 Männern den Oberstempel auf Schrötling und Unterstempel presste und damit auf einen Schlag eine größere Menge an Münzen prägen konnte. Dieses Verfahren garantierte eine kraftvolle, federnde Prägung mit einer Kraft, die dem Gewicht von bis zu 30 Tonnen entsprach.

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Prägemaschine mit DampfantriebPrägemaschine mit Dampfantrieb

Die Menge an Münzen, die solche Maschinen ausstoßen können, hat sich gewaltig gesteigert. Größere Stückzahlen erreichte man im 19. Jahrhundert durch die Verwendung des Kniehebelwerkes von Uhlhorn. Bei diesem System wird der Oberstempel gegen den Schrötling unter sich steigerndem Druck gepresst.

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Bis zu 850 Münzen pro Minute prägt diese moderne Umlaufpräge
Bis zu 850 Münzen pro Minute prägt diese moderne Umlaufpräge

Den nächsten großen Fortschritt erbrachte die Verwendung von Dampfmaschinen. Im späten 18. Jahrhundert bauten Matthew Boulton und James Watt, der Erfinder der Dampfmaschine, Walzen und Prägemaschinen mit Dampfantrieb. Der Dampf drehte die Walzen, die die Metallbarren zu münzdicken Platten formten, und mit seiner Hilfe stanzte man die Rohlinge und führte die Prägehämmer. Diese Maschinen produzierten 60 Münzen in der Minute.

 

 

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Die neuen Euro-Münzen seit 2002Die neuen Euro-Münzen seit 2002

Die allerneueste Entwicklung schildert Klaus Jopp. Ihm zufolge stanzen Maschinen aus vorgefertigten Metallbändern 20.000 Rohlinge pro Minute der ab dem Jahr 2002 gültigen europäischen Währung Euro.

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Gegossene römische AsseGegossene römische Asse

Sehr selten wurden Münzen auch gegossen. Bekannt sind die römischen Asse und chinesische Münzen, die im Gussverfahren hergestellt wurden.

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Quellen
Dieter Fassbender
, Lexikon für Münzsammler, 1983.
Christopher Maynard, Wunderwelt Geld, 1978.
Renate Kingma, Münzen und Geld, 1985.
Klaus Jopp, Neue Taler braucht das Land,
Die Zeit Nr. 42, Oktober 1998, S. 61.