Zu Gast auf der Archäo-Technica in Brandenburg

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Rothenburg | Brandenburg – Die inhaltlich sehr umfangreiche und üppig bebilderte Internetseite der „Münzer von Rothenburg ob der Tauber“ und ihrem museumspädagogisches Angebot hat 2011 das Archäologische Landesmuseum Brandenburg an der Havel dazu veranlasst, die Gruppe der „Münzer von Rothenburg ob der Tauber“ – Mitglied des „Meistertrunk“ – auf Kosten des Landesmuseums! nach Brandenburg an der Havel (bei Berlin) zur 2. „ArchäoTechnica“ einzuladen.

Das Brandenburgische Landesmuseum setzte damit zum zweiten Mal nach 2010 einen deutlichen und gelungenen Akzent zu den wie Pilze aus dem Boden schießenden Mittelalter-„Spektakeln“ aller Orten. Diese haben historisch meist nur sehr wenig oder garnichts mit den überlieferten Erfahrungen im alten Handwerk zu tun. Anders bei der „ArchäoTechnica“: Hier war nichts zu hören von einer Fantasie-Mittelalter-Sprache oder wummernden Trommeln und schreienden Dudelsäcken. „Gewandungen“, die problemlos als Konglomerat aus Altkleidersack und Dachbodenfund zu erkennen waren, kamen erst garnicht in die engere Auswahl der Museumsleitung.

Münzer - Landesmuseum Brandenburg_JoE_014Die „ArchäoTechnica“ ist eine Veranstaltung im Pauli-Kloster, auf der ausgewählte und ausgewiesen fundiert arbeitende historische Handwerker alte Techniken vorführen. „Hier dabei zu sein zu dürfen ist schon fast wie ein Sechser im Lotto, ein Ritterschlag für unsere Arbeit als „Münzer von Rothenburg ob der Tauber“, sagt Jochen Ehnes nicht ohne Stolz und ist dankbar, dass er dabei von der Vorstandschaft des Meistertrunk unterstützt wird. Die vereinseigene Gruppierung ist als einzige bundesweit ausgewählt worden, „weil hier das Konzept und die Gewandungen stimmig zueinander passen“, bestätigt Janina Bartel, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Landesmuseums und Organisatorin der ArchäoTechica in Brandenburg.
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Bereits im siebten Jahr gibt es im Meistertrunk die Gruppe der „Münzer von Rothenburg ob der Tauber“. Sie prägen den „Rothenburger Kupferpfennig“ auf einer historischen Münzspindelpresse. Dr. Hellmuth Möhring, Leiter des hiesigen Reichsstadtmuesums, sagt dazu: „Der Rothenburger Kupferpfennig“ ist eine der ganz wenigen, die 1622 von der Stadt Rothenburg in Nürnberg im Auftrag geprägt wurde, mithin das einzige in Rothenburg je geprägte echte Zahlungsmittel in reichsstädtischer Zeit!“ Er muss es wissen, denn im Depot des Reichsstadtmuseums liegen noch einige wenige Originale dieser seltenen Münze. Ihm ist es letztendlich zu verdanken, dass die „Münzer von Rothenburg“ – und damit der Meistertrunk – überhaupt an dieses seltene Stück gekommen sind.
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Er und seine Frau Eva sind ausgebildete staatl. anerkannte Erzieher und Leiter der „Münzer von Rothenburg“. Sie haben ein museumspädagogisches Konzept entwickelt, das für Kinder und Erwachsene gleichermaßen geeignet ist. Anhand der Maschinen, Gerätschaften und der Materialien zeigen sie den Weg des Geldmachens auf von der Hammerpräge, über die Herstellung der Münzstempel und der Ronden (Münze ohne Bild) bis hin zur Münzspindelpresse wird nicht nur erklärt, sondern auch im Wortsinn begreiflich gemacht, was es bedeutet, wie in früherer Zeit Geld zu schlagen. Die Akteure werden standesgemäß gewandet und bekommen vor ihrer Arbeit an der Spindelpresse eine Bundhaube und eine Lederschürze angezogen.

Münzer - Landesmuseum Brandenburg_JoE_018Ein zweites Modul ist das Anfertigen von Ledergeldbeuteln. Hier sind Kinder und auch Erwachsene mit Feuereifer dabei, sich zunächst die passende Farbe „ihres“ Geldbeutels herauszusuchen, und dann mit Stanzeisen, Schere und Lederbändel unter Anleitung von pädagogischen und ambitionierten Mitgliedern der Münzertruppe die einzelnen Schritte vom einfachen Leder zum Geldbeutel erklären zu lassen.

Münzer - Landesmuseum Brandenburg_JoE_012Über 4.000 Besucher an zwei Tagen hatten sich von der guten, landesweiten Werbung anlocken lassen, um sich altes Kriegs- und Kunsthandwerk des 17. Jahrhunderts vorführen zu lassen. Neben den „Münzern von Rothenburg“ waren unter anderem dabei: ein Spezialist für alte Waffentechnik, eine Schneiderin, die anhand eines Gewandes die Mode der Zeit bzw. die Nähtechniken und Materialien vorstellte. Ein Kürschner demonstrierte, wie aus Fellen Pelze werden. Eine Holländerin zeigte die Haubenmacherei. Textilherstellung wurde an einem originalen Webstuhl demonstriert. Sogar Musik erklang im ehrwürdigen Kreuzgang des Pauliklosters. Ein Duo hatte sich auf das Spielen von Harfe, Schalmei und Dudelsack spezialisiert.

Für Museen haben die „Münzer von Rothenburg“ ihre Feuertaufe bestanden. Generell ist denkbar, dass sie nun mit den beiden Modulen Prägetechnik und Geldbeutelbasteln auch in anderen Museen zu finden sein werden.

Mehr zum museumspädagogischen Konzept der „Münzer von Rothenburg ob der Tauber“

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